Woche 51 / 2017

Das wechselvolle Leben schreibend reflektiert

Es war kein Zufall, dass letzten Donnerstag ausgerechnet im Äbtesaal des Surseer Sankturbahnhofs die Vernissage von Willi Bürgis neuem Buch «Kaltbach» stattfand. «Schauen Sie sich um – der Äbtesaal steckt voller Geschichten, genauso wie dieses Werk», sagte der Autor. Diese Geschichten zu einem Ganzen zusammenzufügen, sie in eine Form zu giessen, das war die grosse Aufgabe, der sich der 82-jährige Bürgi in den letzten Jahren gestellt hatte. Ursprünglich war ein Sachbuch über Louis Gut geplant gewesen. Der Protagonist des Buches, Bauer und Literat, in Kaltbach geboren und dann nach Sursee übersiedelt, lebte von 1886 bis 1957 und hinterliess einen umfangreichen schriftlichen Nachlass, der frühe Briefe an seine Geliebte und später Tagebücher umfasste. Der Surseer Willi Bürgi erzählt, gestützt auf diese Quellen, die Geschichte eines feinsinnigen und rechtschaffenen Mannes, der als Bauer zur Welt kam und sich dann der Literatur zuwandte. Gut schrieb Geschichten und Gedichte und «klärte schreibend seinen Kopf», wie Willi Bürgi es formuliert: Er schrieb aus dem Aktividienst, während der Wirtschaftskrise, in den Dreissiger Jahren über den Aufschwung. Doch während des Zweiten Weltkrieges wurde ihm seine Bewunderung für die deutsche Sprache, für die deutschen Kulturschaffenden zum Verhängnis: Er blendete die Verbrechen der Nazis aus, wollte nicht wahrhaben, was wirklich geschah. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches aber sah Louis Gut seinen Irrtum ein. Und ging mit sich selbst hart ins Gericht. Während der letzten Jahre schliesslich zog sich Louis Gut aufs Familiäre zurück. mehr

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