In der aktuellen Ausgabe vom 27. Januar

"Meinen Brüdern gehts hier viel besser"

Wer im Hirschen in Oberkirch essen geht, der erlebt in zweierlei Hinsicht Aussergewöhnliches. Der Gastronom Markus Wicki hat sich kulinarisch einen Namen gemacht, als Mitglied der renommierten Jeunes Restaurateurs d’Europe en Suisse wird sein Lokal aktuell mit 14 Gault-Millau-Punkten bewertet. Dass seine zwei Brüder Andreas und Thomas Wicki bei ihm angestellt sind, scheint auf den ersten Blick auch nicht wirklich erstaunlich. Betrachtet man allerdings die Tatsache, dass Markus Wickis Brüder beide das Down-Syndrom haben, vermag diese Tatsache doch ein wenig mehr zu erstaunen.    

Doch im Gespräch mit Wicki wird schnell einmal klar, dass dies für ihn das Selbstverständlichste auf der Welt zu sein scheint. «Seitdem meine Brüder bei mir im Betrieb arbeiten, geht es ihnen viel besser», ist Wicki überzeugt. Sein kleinerer Bruder arbeitet nun schon bereits seit rund 22 Jahren im Hirschen in Oberkirch. «Anfänglich noch unter der Leitung meines Vaters, seit nun 15 Jahren bei mir», so Wicki weiter. Auch für die Mitarbeiter ist dieses gelebte Integrationsmodell kein Problem. «Es ist für sie normal, mit meinen Brüdern zusammenzuarbeiten.» Es gebe mit Andreas und Thomas zudem viele lustige und amüsante Szenen, die in einem normalen Betrieb nicht so vorkommen würden. Zudem sei es für seine Mitarbeiter eine gute Lebensschule im Umgang mit Menschen mit Behinderung.

Zweifel über den Entscheid, seine zwei Brüder im eigenen Betrieb zu beschäftigen, hatte Wicki nie. Im Gegenteil: «Sie haben doch das Recht auf Beschäftigung, auf Arbeit im eigenen Betrieb», ist er überzeugt.

Text: Kevin Sieber



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